Ohne Anstehen buchbar Das Haus lesen: Farbe, Licht und die Wände
Ein Rundgang Raum für Raum durch Casa Luis Barragán, von der blanken Straßenfassade bis zu den farbigen Wänden des Dachs.
Casa Luis Barragán erklärt sich nicht von selbst. Es gibt keine Beschriftungen an den Wänden und nur sehr wenig zu lesen, und das Haus wirkt auf Sie durch Abfolge, Licht und Farbe statt durch Informationen. Genau deshalb lohnt sich eine kleine Vorbereitung. Dieser Leitfaden führt durch das Haus in der Reihenfolge, in der Sie es erleben, und zeigt, worauf Sie in jedem Raum achten sollten, damit Sie, wenn Sie im rosa Vestibül oder unter dem offenen Himmel der Dachterrasse stehen, wissen, was Barragán mit Ihnen macht.
Die Wand, die nichts verrät
Beginnen Sie draußen, an der General Francisco Ramírez. Die Beschreibung des Hauses selbst nennt die Fassade schlicht, fast unvollendet: verputzter Beton in seiner natürlichen Farbe und rauen Textur, nur an den Türen für Menschen und Autos sowie am Fenstergitter bemalt. Hoch oben in der linken oberen Ecke treffen zwei Flächen in Gelb und Orange aufeinander. Ein lichtdurchlässiges Bibliotheksfenster, ein Raster kleiner Scheiben, tritt aus der Wand hervor. Über allem erhebt sich ein weißer Turm, der den Wassertank beherbergte.
Es ist leicht, daran vorbeizugehen. Das ist der Punkt. Barragán baute in Tacubaya, damals ein Arbeiterviertel, und er entschied sich, der Straße fast nichts zu geben. Alles, was das Haus zu bieten hat, bleibt hinter der Wand. Nehmen Sie sich einen Moment auf dem Gehweg, bevor Ihre Zeit beginnt, denn der Kontrast zwischen dieser blanken Fassade und dem, was drinnen ist, ist die erste Lektion des Besuchs.
Die dunkle Diele
Sie gehen durch eine schmale, niedrige Eingangsdiele hinein. Nach der Straße ist es hier dämmrig, der Boden besteht aus Vulkangestein und die Wände sind schlicht. Autoren, die über das Haus geschrieben haben, nannten es eine Dekompressionskammer, einen Raum, der Sie die Stadt zurücklassen lässt, bevor irgendetwas anderes geschieht.
Gönnen Sie Ihren Augen hier Zeit. Der Besuch ist auf Kontrast aufgebaut, und die Diele ist die dunkle Hälfte davon. Wenn Sie hindurcheilen, verliert der nächste Raum die Hälfte seiner Wirkung.
Das rosa Vestibül und das Gold
Die Diele öffnet sich zum Vestibül, dem Raum, an den sich die meisten erinnern. Licht fällt von einem hohen Fenster herein, das Sie nicht direkt sehen können. Es trifft auf ein Blattgoldgemälde von Mathias Goeritz, Barragáns Freund und Mitarbeiter, und läuft dann eine Treppe aus dunklem Stein hinunter auf eine tief rosa bemalte Wand. Beschreibungen des Hauses sprechen von einem Vestibül mit gelbem Licht und fuchsiafarbenen Wänden; in Wirklichkeit ist die Wirkung warm, still und leicht unwirklich.
Beachten Sie, wie wenig sich in dem Raum befindet. Eine Treppe, eine Wand, ein Gemälde, ein kleiner Tisch und ein Stuhl, das Licht. Die Farbe leistet die Arbeit, die anderswo Möbel oder Ornamente übernehmen würden. Beachten Sie auch, dass Ihnen nicht gezeigt wird, woher das Licht kommt. Barragán versteckte seine Fenster oft, damit Sie das Licht sehen, bevor Sie seine Quelle sehen.
Das Wohnzimmer und das Gartenfenster
Vom Vestibül gehen Sie in das Wohnzimmer, und der Maßstab verändert sich vollständig. Die Decke steigt unter Holzbalken zu doppelter Höhe an, und eine ganze Seite des Raums ist ein riesiges Fenster zum Garten. Nach der Diele und dem Vestibül fühlt es sich an, als würden Sie ins Freie treten.
Schauen Sie, was das Fenster rahmt. Der Garten ist bewusst wild, eher ein Stück überwucherter Wald als ein Rasen, und er ist von hohen Mauern umgeben, sodass nichts von der Stadt zu sehen ist. Autoren, die über das Haus schreiben, heben einen Pirul, einen peruanischen Pfefferbaum, als sein Herz hervor. Barragán gestaltete den Garten ebenso sehr zum Betrachten aus den Räumen wie zum Durchwandern, deshalb ist das Fenster wie ein Gemälde an der Wand platziert und proportioniert.
Schauen Sie dann das Fenster selbst an. Sein Rahmen ist auf wenige dünne Stäbe reduziert, und seine Proportionen entsprechen der Wand. Viele Menschen stellen fest, dass sie davor stehen bleiben, ohne dass es ihnen gesagt wurde.
Die Bibliothek und die Treppe ohne Geländer
Die Bibliothek liegt neben dem Wohnzimmer und ist von ihm durch eine Wand getrennt, die vor der Decke endet, sodass die beiden Räume Luft und Licht teilen, ohne zu verschmelzen. In den Regalen stehen Barragáns Bücher, Teil einer Sammlung von rund 3.000 Publikationen, die im Haus aufbewahrt werden.
Hier ist das berühmte Merkmal der Bibliothek: eine Holztreppe ohne Geländer, deren Stufen aus der Wand hervortreten und zu einer kleinen Tür hoch oben hinaufführen. Es ist eine einfache Idee, bis an ihre Grenze getrieben. Ohne Geländer wird die Treppe zur Skulptur vor der weißen Wand, und der Raum scheint ringsum den Atem anzuhalten.
Die Treppe zeigt auch etwas darüber, wie Barragán das Haus dachte. Es ist keine große Treppe; sie ist kaum breit genug für eine Person. Wie vieles im Haus wurde sie für das Leben eines Mannes geschaffen, der allein lebte, und sie tauscht Bequemlichkeit gegen eine Wirkung.
Der Garten
Der Garten ist der Teil des Hauses, den man am meisten sieht und am seltensten betritt. Er liegt hinter dem Wohnzimmer, ungefähr so groß wie das Haus selbst, und ist von hohen Mauern umschlossen, sodass nichts von der Straße oder den Nachbarn darüber hinweg sichtbar ist.
Es ist kein formaler Garten. Barragán ließ ihn wild wachsen, mit dichter Bepflanzung, rankendem Grün und alten Bäumen, darunter der pirul, den Autoren über das Haus als sein Herz bezeichnen. Von innen wirkt er wie eine Lichtung im Wald und nicht wie ein Grundstück in der Stadt.
Beachten Sie, wie der Garten Ihnen präsentiert wird. Vom Wohnzimmer aus verwandelt das große Fenster ihn in eine einzige gerahmte Ansicht. Anderswo im Haus zeigen kleinere Fenster nur einen Streifen Grün. Barragán behandelte den Garten weniger als einen Ort zum Gehen denn als die Hauptsache, die es zu betrachten gilt, und er platzierte die Fenster entsprechend. Der Garten liegt im Freien, daher ist er wie das Dach bei Regen nicht für Besucher geöffnet.
Räume für Ruhe und Gebet
Die privaten Räume im Obergeschoss sind im Ton ruhiger. Autoren über das Haus weisen auf die kreuzförmigen Läden im Gästezimmer hin, wo die Läden ein Kreuz bilden, und auf einen Ankleideraum, der als Cuarto del Cristo, der Raum Christi, bekannt ist, wegen des Kruzifixes, das er beherbergt. Barragán war ein gläubiger Katholik, und religiöse Objekte erscheinen im ganzen Haus, zwischen Gemälden und Keramiken aus vielen Jahrhunderten mexikanischer Kunst.
Achten Sie darauf, wie das Licht in diese Räume durch Läden und kleine Öffnungen statt durch breites Glas einfällt. Nach der Offenheit des Wohnzimmers schließt sich das Haus wieder, und die privaten Räume wirken beinahe klösterlich.
Die Dachterrasse
Der Besuch endet für viele auf dem Dach. Hier errichtete Barragán eine Terrasse, die von hohen, in kräftigen Farben gestrichenen Mauern eingeschlossen wird, beschrieben als blutrot, dunkelgrau und weiß, wobei einige Autoren eine fuchsienfarbene Wand erwähnen. Die Mauern sind hoch genug, um die Stadt vollständig zu verbergen. Es bleiben nur der Boden, die Farbe und der Himmel.
Dies ist die klarste Aussage seiner Idee des umschlossenen Gartens. Auf dem Dach gibt es überhaupt keinen Garten, nur den Himmel, der als Decke behandelt wird, und die Wände, die als Farbflächen behandelt werden. Beobachten Sie, wie sich die Farben ändern, wenn Wolken vorbeiziehen, und wie der weiße Turm des Wassertanks über die Mauern ragt wie ein Stück Skulptur.
Denken Sie daran, dass das Dach im Freien liegt. Wenn es regnet, öffnet das Haus seine Außenbereiche nicht, und dazu kann auch die Terrasse gehören.
Die Werkstatt in Nummer 12
Das Gebäude besteht aus zwei aneinandergefügten Häusern. Barragáns Wohnhaus lag in Nummer 14 der Straße, und die Tür im Norden, in Nummer 12, führte zu seiner Werkstatt, in der er für den Rest seiner Laufbahn arbeitete. Die UNESCO führt das Anwesen aus diesem Grund als Haus und Atelier: Der Ort, an dem er lebte, und der Ort, an dem er entwarf, liegen Seite an Seite und teilen dieselben Mauern und denselben Garten.
Von der Straße aus sehen die beiden Türen beinahe identisch aus. Im Inneren liegt der Unterschied eher im Gebrauch als im Stil. Das Haus dreht sich um Ruhe und Kontemplation, die Werkstatt um die Arbeit, doch beide folgen denselben Regeln: schlichte Wände, kontrolliertes Licht und sehr wenige Dinge. Es erinnert daran, dass Barragán für seine Auftraggeber keine separate, prunkvollere Art pflegte. Die Architektur, in der er lebte, war die Architektur, die er schuf.
Was Fotografien nicht zeigen können
Die meisten kommen an, nachdem sie Bilder des rosa Vestibüls und der Bibliothekstreppe gesehen haben, und die Bilder sind zutreffend. Was sie nicht zeigen können, sind Maßstab und Abfolge. Die Räume sind kleiner, als sie auf Fotografien wirken, der Flur dunkler, die Übergänge schärfer. Das Gefühl des Hauses entsteht aus dem Gehen von einem Raum in den nächsten, nicht aus einer einzelnen Ansicht.
Farbe als Material
Barragáns Farben sind das, wofür die meisten ihn kennen, und das Haus zeigt, wie er sie einsetzte. Sie sind keine Dekoration, die einem fertigen Raum hinzugefügt wird. Sie sind Teil davon, wie ein Raum gemacht wird: eine rosa Wand, die eine dunkle Treppe erwärmt, eine gelbe Fläche an der Fassade, die die Sonne einfängt, eine rote Wand auf dem Dach, die den Himmel tiefer blau erscheinen lässt.
Der Maler Jesús Reyes Ferreira, bekannt als Chucho Reyes, beeinflusste seinen Umgang mit Farbe, und die Zusammenarbeit mit Goeritz prägte sein Verständnis von Farbe als Fläche statt als Detail. Die Farben sind nicht sanft. Seine Farbkonzepte werden oft als stark unharmonisch bezeichnet, und das ist zutreffend: Sie stoßen absichtlich aufeinander, und dieser Zusammenstoß hält die schlichten Räume lebendig.
Wie Sie sich am Tag des Besuchs verhalten sollten
Verlangsamen Sie bei jedem Lichtwechsel. Das Haus ist eine Abfolge von Dunkel und Hell, Geschlossenem und Offenem, und die Wirkung entsteht, wenn man den Wandel im Moment bemerkt.
Schauen Sie nach oben. Viele von Barragáns Fenstern sind hoch, verborgen oder schräg angeordnet, und das Licht kommt an, bevor Sie sehen, woher es stammt.
Schauen Sie nach unten. Die Böden wechseln von Vulkangestein zu Holz, wenn Sie von den öffentlichen Bereichen in die Wohnräume gehen.
Betrachten Sie die Wände als Oberflächen. Der Putz ist nicht glatt, und die Textur fängt das Licht im Tagesverlauf unterschiedlich ein.
Und bleiben Sie leise. Kleine Gruppen, flache Schuhe und eine gedämpfte Stimme gehören zu den Regeln des Hauses, aber sie sind auch der beste Weg, es zu sehen. Das Haus wurde um die Stille herum entworfen, und es ist am schönsten, wenn es still ist.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die rosa Wand in Casa Luis Barragán?
Das Vestibül neben der Eingangshalle, wo Licht aus einem hohen Fenster auf ein Blattgoldgemälde von Mathias Goeritz fällt und eine Treppe hinunter auf eine tiefrosa gestrichene Wand.
Hat die Bibliothekstreppe wirklich kein Geländer?
Ja. Die Holztreppe in der Bibliothek steigt ohne Geländer an der Wand empor, ihre Stufen treten aus der Wand hervor, weshalb sie wie eine Skulptur wirkt.
Kann man die Dachterrasse besuchen?
Die Dachterrasse gehört zum Haus, aber sie liegt im Freien, und das Haus öffnet Außenbereiche bei Regen nicht. Der Zugang zu einzelnen Bereichen kann auch aus Wartungs- oder Sicherheitsgründen eingeschränkt sein.
Warum ist das Äußere des Hauses so schlicht?
Barragán hat das Haus nach innen gewendet. Die Straßenfassade besteht aus rau verputztem Beton mit fast keiner Farbe, und alles andere bleibt dahinter, rund um die Räume, den ummauerten Garten und den Himmel.